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Südkurier 02-2018

Modellprojekt "Zu Gast bei Nachbarn" bringt Senioren und Familien zusammen
Sandra und Luisa Schilling unterhalten sich mit Edeltraud Rampmaier (von links). Die alte Dame liebt Handarbeiten und nette Gespräche.  <br>
Bild: Karlheinz Fahlbusch 
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<center> Zum vergrößern - Bild anklicken ! </center> Sandra und Luisa Schilling unterhalten sich mit Edeltraud Rampmaier (von links). Die alte Dame liebt Handarbeiten und nette Gespräche.
Bild: Karlheinz Fahlbusch
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"Zu Gast bei Nachbarn" nennt sich ein Modellprojekt im Landkreis Tuttlingen. Es handelt sich nicht um eine klassische Tagesbetreuung, sondern um ein niederschwelliges Angebot, das auch von der Nachbarschaftshilfe in Buchheim angeboten wird.
War früher alles besser? Sicher nicht. Aber manche Dinge waren anders. Einsamkeit war bei alten Menschen nicht so weit verbreitet wie heute. Das Problem nimmt sogar weiter zu. Doch es gibt Alternativen. "Zu Gast bei Nachbarn" nennt sich ein Modellprojekt im Landkreis Tuttlingen. Es handelt sich nicht um eine klassische Tagesbetreuung, sondern um ein niederschwelliges Angebot, das auch von der Nachbarschaftshilfe in Buchheim angeboten wird. Weil der Verein Hilfe von Haus zu Haus auch mit anderen Nachbarschaftshilfen kooperiert, sitzt Edeltraud Rampmaier aus Fridingen am Tisch und strickt. Sie tut es nicht zu Hause, sondern in der Küche der Schillings.
Die alte Dame ist seit 17 Jahren Witwe und stammt aus Stuttgart, wie man am Dialekt sofort hören kann. Früher kam sie mit ihrem Mann zum Wandern ins Donautal und so reifte irgendwann die Idee, sich doch hier niederzulassen. "Und deshalb bin ich halt da", sagt sie lachend und erzählt von ihrer schönen Wohnung, von den Handarbeiten, die sie gerne macht und auch davon, dass sie ihren Haushalt gerade noch "so mit Hängen und Würgen" bewerkstelligen kann. Aber sie habe ja Zeit und da sei das nicht so schlimm. Was ihr aber fehlt, das ist die Gesellschaft einer netten Familie. In Buchheim hat sie das bei den Schillings gefunden. Die beiden Kinder Felix (12) und Luisa (neun) haben sich schon daran gewöhnt, dass ab und zu noch jemand am Tisch sitzt. "Ich finde das echt cool", sagt Luisa, die gern auch mal mit Frau Rampmaier strickt.
Monika Kohler von der Nachbarschaftshilfe Monika Kohler von der Nachbarschaftshilfe "Hilfe von Haus zu Haus". Bild: Karlheinz Fahlbusch
Edeltraud Rampmaier freut sich über die Gesellschaft und hat auch Hund Sammy ins Herz geschlossen. Gebracht wird sie von der Nachbarschaftshilfe in Fridingen. "Die machen den Fahrdienst", sagt Monika Kohler von Hilfe von Haus zu Haus. Auch aus Schwenningen, Leibertingen oder Kreenheinstetten könnten Menschen das Angebot "Zu Gast bei Nachbarn" in Anspruch nehmen. Im Landkreis Sigmaringen selbst gibt es dieses Projekt noch nicht, das zunächst einmal auf drei Jahre begrenzt ist. "Dann muss man sehen, ob es weitergeht", sagt Kohler. Sie ist überzeugt, dass hier eine niederschwellige Alternative geboten wird, von der viele ältere Menschen profitieren könnten.  
Die Betreuungspersonen werden geschult. Egal ob als Einzelperson oder in einer kleinen Gruppe, man ist flexibel und legt viel Wert auf eine familiäre Atmosphäre und gemeinsame Aktivitäten. Und selbstverständlich auch das gemeinsame Essen. "Kartoffelsalat mag ich besonders gerne", sagt Edeltraud Rampmaier. Für sie alleine würde sich das nicht lohnen. Aber wenn es bei Schillings Kartoffelsalat gibt, dann hilft sie gerne bei den Vorbereitungen mit. "Und wenn das manchmal etwas langsamer geht, dann macht das gar nichts", sagt Sandra Schilling. Sie ist von Beruf Altenpflegerin. "Das ist aber keine Voraussetzung für die Mitarbeit", betont sie.
Edeltraud Rampmaier kommt einmal in der Woche von 9.30 bis 13.30 Uhr. Grundsätzlich sind aber auch andere Zeiten und mehrere Tage möglich. "Das muss man im Einzelfall abklären", sagt Monika Kohler. Dabei ist klar: Pflegerische Tätigkeiten gehören nicht zum Angebot. Es geht um eine soziale Betreuung und Hilfe im Alltag, wie es unter guten Nachbarn früher auch üblich war. Die Kosten werden individuell nach dem Zeitaufwand und der gleichzeitig betreuten Senioren berechnet.
Informationen für zukünftige Betreuer und interessierte Betreute bei m Verein Hilfe von Haus zu Haus, Brunnengasse 2, 88637 Buchheim, Tel. 0 77 77/6 44 oder E-Mail kohler-buchheim@t-online.de

Siehe auch Bericht der 1. Vorsitzenden - hier klicken.